Der Blick zurück zeigt vor allem eines: Eine Anlagestrategie sollte nicht nur auf ein Szenario ausgerichtet sein. Auch wegen Donald Trump.
Der Blick auf die Nachrichtenlage zeigt vor allem eines: Donald Trump veranstaltet in seiner zweiten Amtszeit Wirbel. Ein Thema jagt das nächste, so verrückt es auch erscheinen mag. Die Auswirkungen spiegeln sich an den Finanzmärkten.
Im Januar drohte der US-Präsident, Grönland annektieren zu wollen und schloss dabei auch den Gebrauch von Waffengewalt nicht aus. Die Drohkulisse gegenüber den NATO-Mitgliedstaaten ließ das Vertrauen in die USA und den US-Dollar, der in den ersten zwölf Monaten von Trumps Amtszeit fast 15 Prozent gegenüber dem Euro verloren hatte, weiter fallen.
Im Februar entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass die von Präsident Trump per Notstandsrecht verhängten Zölle nicht rechtmäßig seien. Das Urteil stellte klar, dass umfassende Zollmaßnahmen grundsätzlich der Zustimmung des Kongresses bedürfen. Daraufhin reagierte Donald Trump wie ein zorniges Kind mit neuen Zöllen von bis zu 15 Prozent – diesmal auf einer anderen rechtlichen Grundlage.
Der Börsenmonat März war vom Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran geprägt. Der anfangs als kurze Spezialoperation nach venezolanischem Muster interpretiert wurde – bis der Iran mit der Blockade der Straße von Hormus eine der wichtigsten Lebensadern der Weltwirtschaft weitgehend abschnürte.
Die Entwicklung ist ökonomisch höchst relevant – und beendete die anfängliche Gelassenheit der Börsen. Die Einschränkung der globalen Öl-, Gas- und Petrochemikalienversorgung, ebenso wie von Ammoniak, Schwefel, Aluminium und Helium, die in den Anrainerstaaten des Persischen Golfs produziert werden, belastet ganze Lieferketten und treibt die Preise nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch bei vielen Vorprodukten für andere Güter in die Höhe.
Turbulenzen an den Märkten
An den Finanzmärkten wuchs die Sorge vor negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft bei gleichzeitig steigender Inflation. Die Renditen von Anleihen stiegen, weil Investoren nun höhere Zinsen verlangen. Selbst Staatsanleihen, die normalerweise als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten, waren von dem Kursrutsch betroffen.
Im ersten Quartal haben Anleihen insgesamt – trotz Zinseinnahmen – leichte Verluste erlitten. Das gestiegene Renditeniveau verteuerte auch Unternehmens- und Immobilienkredite, was die negativen Auswirkungen der hohen Energie- und Rohstoffpreise auf die Wirtschaft verstärken könnte.
Das hat schließlich auch die Aktienkurse gedrückt, die bis Mitte März noch von der Aussicht auf ein baldiges Ende der Kampfhandlungen und auf eine Normalisierung der Lage gestützt wurden.
Bemerkenswert war zudem die Entwicklung des US-Dollars. Die Schwäche des „Greenback“ seit dem Amtsantritt von Trump hat sich durch das Chaos, das die US-Regierung mit dem Krieg angerichtet hat, zeitweise ironischerweise umgekehrt. Es galt das „Sichere-Hafen-Paradox“. Je mehr Chaos die USA in der Welt anrichten, desto mehr Dollars kauft die Welt.
Auch die Achterbahnfahrt des Goldpreises erscheint paradox. Bis Ende Januar stieg der Preis um rund 30 Prozent auf ein Rekordhoch von über 5.500 US-Dollar. Dann folgte eine scharfe Korrektur auf unter 4.500 Dollar, die sich noch als Gewinnmitnahme erklären lässt. Danach ging es überraschend schnell wieder über die Marke von 5.000 Dollar und mit Beginn des Irankriegs wurde fast wieder das Januar Rekordhoch erreicht.
Dann wechselte die Stimmung. Das Krisenmetall wurde zum Liquiditätslieferanten, denn in Krisen wird zunächst das verkauft, was liquide ist – und Gold ist liquide. Innerhalb von drei Wochen fiel der Goldpreis um rund 20 Prozent fast wieder auf den Preis vom Jahresanfang, um dann wieder zu steigen.
Die Zukunft bleibt ungewiss
Trotz der Ankündigung weiterer Verhandlungen: Die Folgen von Trumps Iran-Konflikt sind noch nicht ersichtlich. Ob Eskalation, Waffenstillstand oder ein wackeliger Frieden – die Lage im Nahen Osten bleibt fragil und der US-Präsident ein „Halbwüchsiger, der spät entdeckte, dass der Staat ein Spielzeug von einigem Amüsierpotenzial sein kann“, wie es Peter Sloterdijk jüngst formulierte.
Allerdings kennt auch das „Amüsierpotenzial“ des US-Präsidenten Grenzen. Als Korrektive wirken der Anstieg der Rohstoffpreise, die Inflation, die Finanzmärkte und die Gunst der US-Wähler.
Nicht alles auf eine Karte
Eine Anlagestrategie auf ein besonders wahrscheinliches Szenario aufzubauen, erscheint deshalb riskant: Auch ein vermeintlich sicherer Hafen kann sich als Trugschluss erweisen. Es bleiben Diversifikation und qualitativ gute Anlagen, die auch diesen Sturm überstehen. Das schützt zwar nicht vor kurzfristigen Schwankungen, aber vor dauerhaften Vermögenseinbußen.
In den vergangenen Monaten haben nicht wenige Aktien von Unternehmen mit nachhaltiger Ertragsstärke erheblich gelitten, weil kurzfristige Enttäuschung fortgeschrieben und das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Die daraus resultierenden niedrigen Bewertungen reduzieren die Fallhöhe und bieten Potenzial für eine Erholung.
Anleihen mit auskömmlicher Rendite
Anleihen sind zwar noch kein „No-Brainer“ (Selbstläufer), aber bieten für defensive Strategien inzwischen wieder eine auskömmliche Rendite, sofern die Inflation nicht wieder auf die postpandemischen Niveaus steigt, was angesichts der schwächelnden Wirtschaft nicht zu erwarten ist.
Gold hat zuletzt zeitweise unter seiner Funktion als Liquiditätsgarant gelitten. Die geopolitischen Unsicherheiten, die steigende Staatsverschuldung und eine schwächere Wirtschaft bei moderat steigender Inflation machen Gold zu einem langfristigen Stabilitätsanker und sinnvollen Baustein für ein gut diversifiziertes Vermögen.
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