02.05.2017 -
Gold ist unvergänglich. Seit Jahrtausenden nutzen Menschen das Edelmetall für den Vermögensaufbau. In Zeiten einer expansiven Geldpolitik soll Gold vor dem Wertverlust von Papiergeld schützen. Eine Analyse zeigt, ob das funktionieren kann.
Zum Jahresstart feierte Gold ein Comeback. Das Edelmetall lief im ersten Quartal 2017 besser als die Aktienmärkte in den Industrieländern. Der Preis von Gold stieg (zumindest in US-Dollar) in den ersten drei Monaten des Jahres des ersten Quartals um 8,4 Prozent. Ebenso wie Aktien profitiert Gold von der expansiven Geldpolitik. Die anhaltende Tiefzinsphase ist vorteilhaft für ein Edelmetall, das keine laufenden Erträge bringt. Im Gegensatz zu negativ verzinsten, großen Bankguthaben schmilzt der Wert von Gold jedenfalls nicht.
Wenn die Inflation wie zuletzt wieder anzieht, fallen die realen Renditen sicherer Zinskonten und Anleihen merklich in den negativen Bereich. Gold sollte als traditioneller Inflationsschutz in Zeiten negativer realer Renditen auf dem Zinsmarkt profitieren können – vorausgesetzt man geht davon aus, dass der Goldpreis mindestens im gleichen Tempo wie das allgemeine Preisniveau steigt.
Aber ist das wirklich so? Wagen wir einen Blick in die Vergangenheit. Tatsächlich konnte der Anstieg des Goldpreises seit dem Sommer 1973 – nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, das den US-Dollar nach dem 2. Weltkrieg an den Goldpreis koppelte – nicht nur die Inflation ausgleichen. Darüber hinaus erzielte Gold einen realen Wertzuwachs. Seit 1973 stieg der Goldpreis von rund 120 auf 1.250 US-Dollar. Das entspricht einem Preiszuwachs von jährlich 5,5 Prozent – während sich die US-Konsumentenpreise nur um 4,1 Prozent verteuerten.
Diese Entwicklung verlief aber nicht wie mit dem Lineal gezogen. Seit der Freigabe von der US-Währung im Jahr 1973 hat sich der Goldpreis häufig weit von seinem rechnerischen „Inflationswert“ entfernt. Dieser „Inflationswert“ ist eine Rechengröße, die steigende Konsumentenpreise berücksichtigt. Sie zeigt an, in welchen Jahren Gold einen realen Werterhalt des Vermögens sicherstellen konnte. In Jahren, in denen der Preis von Gold stärker als die Inflation anstieg, verläuft die Linie des realen Goldpreises über der horizontalen Linie des „Inflationswertes“. Kann der Goldpreis hingegen nicht mit der Entwicklung der Inflation mithalten, fällt der reale Goldpreis unter diese horizontale Linie (siehe Grafik).
In Jahren von 1992 bis Anfang 2006 gelang das eben nicht. Im Jahr 2001 erreichte der reale Goldwert ein Tief von rund 50 Prozent. Der Goldpreis hatte sich von 1973 bis 2001 unter Berücksichtigung der Inflation also glatt halbiert. Bis 2011 stieg der Goldpreis dann von 260 auf rund 1.900 US-Dollar an. Der inflationsbereinigte, reale Goldwert erreichte damals fast einen Wert von 300, also nahezu das Dreifache des allgemeinen Preisanstiegs seit 1973.
Wie sieht es aktuell aus? Der inflationsbereinigte Wert von 184 von Anfang April bedeutet, dass Gold seit 1973 einen realen Wertzuwachs von 84 Prozent erreicht hat.
„Goldfans“ könnten argumentieren, dass eine Anlage in Gold langfristig nicht nur die Inflation ausgeglichen hat, sondern sogar auch einen realen Wertzuwachs geboten hat. Mit Blick auf die Vergangenheit könnte – wenn sich der Trend fortsetzt – auch zukünftig Preissteigerungen über der Inflationsrate möglich sein.
„Goldkritiker“ könnten dagegen mit Blick auf die historischen Daten eine Überbewertung konstatieren. Dann wäre vielleicht in Zukunft ein Preisrückgang möglich – in Richtung des rechnerischen Inflationswertes von aktuell rund 700 Dollar pro Unze.
Das Phänomen, dass der Goldpreis schneller als die Verbraucherpreise steigt, lässt sich in nahezu jeder relevanten Währung beobachten. Der starke Anstieg des Goldpreises seit der Jahrtausendwende liegt auch daran, dass der Wohlstand in Schwellenländern wie China und Indien, in denen die Bürger Gold hoch schätzen, stark gestiegen ist.
Nach der Finanzkrise 2008 und der folgenden Staatsschuldenexplosion ist noch ein weiterer Grund für die Aufnahme von Gold in ein auf verschiedene Anlageklassen und Einzeltitel breit gestreutes Portfolio hinzugekommen. Es geht um die Schutzfunktion vor einer möglichen Krise des bestehenden Finanz- und Geldsystems. Hier dient Gold als Währung der letzten Instanz und ist mehr als nur ein Schutz gegen die Papiergeldinflation der Notenbanken.
Gold, das aus diesem Grunde – zumeist physisch – erworben wird, könnte man auch als „Sicherheits“- oder „Absicherungsgold“ bezeichnen.
Der Inhaber bemisst seinen Wert in Unzen und Barren, nicht in Euro oder Dollar. Er schätzt vor allem die Funktion als langfristiger Wertspeicher. Vor allem aus diesem Grund investieren die Multi-Asset-Fonds von Flossbach von Storch immer einen gewissen Teil des Fondsvermögens direkt oder indirekt in Edelmetalle.