09.01.2017 - Elmar Peters

Die In­fla­ti­on in Deutsch­land kehrt zu­rück


Die In­fla­ti­on in Deutsch­land kehrt zu­rück
Bloomberg

Zinssparer müssen wieder mit einem realen Wertverlust ihres Vermögens rechnen. Ein robustes Portfolio aus Aktien, Anleihen und Gold kann unseres Erachtens eine Alternative zu Tagesgeld, Festgeld oder Sparbüchern sein.

Die Preise steigen wieder! Das statistische Bundesamt meldete für Dezember einen Anstieg der Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent. Nicht nur Energie sondern auch Nahrungsmittel (jeweils +2,5 Prozent) wurden merklich teurer.

Viele Deutsche dürften schon fast vergessen haben, was Inflation überhaupt ist. In den vergangenen 30 Monaten stiegen Verbraucherpreise nicht einmal ein Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im April dieses Jahres und im Januar 2015 ermittelten die Statistiker sogar eine negative Entwicklung ihres Preisindex.

Natürlich lässt sich über den Sinn solcher Statistiken trefflich streiten. Jeder Mensch gibt sein Geld für andere Dinge aus. Wenn die Preise für öffentliche Verkehrsmittel steigen, kümmert das notorische Autofahrer eher wenig. Hausbesitzer, die mit Strom, Gas, Fernwärme oder Öl heizen, haben in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche Steigerungen ihrer persönlichen Energiekosten erlebt.

Im Einsatz für die Inflation

Für Notenbanker ist die Inflationsrate dennoch besonders wichtig. Das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine Preissteigerung von zwei Prozent p.a. In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im Dezember um 1,1 Prozent zum Vorjahresmonat, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat meldete. So können die Notenbanker weiter proaktiv gegen zu wenig Inflation vorgehen.

Der Maßnahmenkatalog der EZB ist bekannt. Neben einem Leitzins von 0,0 Prozent und einem „Strafzins“ von Minus 0,4 Prozent für Bankeinlagen umfasst er mindestens bis zum Ende dieses Jahres auch Käufe von Staats-, Unternehmensanleihen und anderen Schuldtiteln im großen Stil.

Warum Notenbanker allerdings eine Inflationsrate von zwei Prozent als Preisstabilität bezeichnen, Preissteigerungen von einem Prozent oder null Prozent dagegen nicht – das dürfte sich dem gesundem Menschenverstand auch nach umfassender ökonomischer Aufklärung aus unserer Sicht hingegen kaum erschließen.

Für Sparer hat diese Geldpolitik schmerzliche Konsequenzen. Die Zinsen für Tages- und Festgelder, für Sparbücher, -briefe und -pläne liegen bei der Mehrzahl der Banken deutlich unterhalb des Inflationszieles von zwei Prozent. Bei Laufzeiten von bis zu zwei Jahren dürfte bei den meisten dieser Zinsofferten eine Null vor dem Komma stehen. Für große Einlagen verlangen immer mehr Institute sogar negative Zinsen. Und auch die Bankgebühren steigen.

Alternativen zum realen Vermögensschwund

Wer einen Taschenrechner zur Hand hat, erkennt schnell wie sich die Inflation in diesem Umfeld auf das Ersparte auswirkt. Ein Vermögen von 10.000 Euro, das etwa auf einem Tagesgeldkonto zehn Jahre lang mit einer Rendite von 0,2 Prozent p.a. angelegt wird, hat bei einer angenommenen Preissteigerung von 1,7 Prozent (wie im Dezember 2016) nach Ablauf der Dekade nur noch einen realen Wert von knapp 8.600 Euro.  

In Zeiten ohne Zinsen, in denen das erklärte Ziel der Notenbank die Entwertung des Geldes ist, kann es sich unseres Erachtens lohnen, tradierte Sparformen zu überdenken. Der Blick auf die langfristige Entwicklung an den Börsen zeigt: Aktien solider und ertragreicher Unternehmen sind zwar nicht immun gegen alle Risiken, können  aber schwere Zeiten weitgehend schadlos überstehen. Gold (direkt oder indirekt) ist unseres Erachtens eine sinnvolle Versicherung gegen einen möglichen Vertrauensverlust in das Geldsystem. Anleihen ergeben nach unserer Anlagestrategie dann einen Sinn, wenn das Verhältnis von Anleiherendite zu Kursrisiko attraktiv ist.

Ein robustes, breit diversifiziertes Portfolio aus sorgfältig ausgewählten Wertpapieren dieser Anlageklassen kann – nach unserer Erfahrung – den Wert des Vermögens langfristig stabilisieren und auch Renditechancen bieten.

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