24.01.2020 - Sven Langenhan

Anleihen: Mehr Risiko, weniger Ertrag?


Anleihen: Mehr Risiko, weniger Ertrag?

Der Anleihemarkt hat sich fundamental geändert; Anlegern droht ein zinsloses Risiko. Mit einer aktiven Anlagestrategie lassen sich Risiko und Ertragschancen in Einklang bringen.

Aller guten Vorsätze zum Trotz, manchen Gewohnheiten halten Anleger auch im neuen Jahr die Treue. Pünktlich zum Jahresanfang zieht man Bilanz, schaut zurück auf das vergangene Anlagejahr, um sogleich die Erwartungen, Markteinschätzungen und Prognosen für das neue Jahr aus dem Hut zu zaubern. Täglich grüßt das Murmeltier, auch oder gerade am Anleihemarkt.

Die Themen sind gesetzt. In weiten Teilen der Welt gibt es schon lange keinen Zins und damit keine Ertragschancen für „Buy and Hold“-Investoren mehr, die Anleihen immer noch kaufen, um sie bis zur Fälligkeit zu halten. Und das, obwohl wir 2019 im Zuge einer fulminanten Kursrally am Anleihemarkt noch einmal neue Tiefststände bei den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen jeglicher Bonitäten gesehen haben.

Der jüngste Stabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die aktuelle Situation auf den Punkt. Bei Anleihen im Wert von 13,5 Billionen US-Dollar (das sind ein Viertel aller ausstehenden globalen Titel) bezahlen Anleger aufgrund der negativen Renditen dafür, die Bonds zu halten; sprich jemandem Geld zu leihen.

Vorsicht, Risiko!

In den vergangenen Jahren haben die Anleiheinvestoren in der Eurozone sukzessive auf immer mehr Rendite verzichtet und dafür gleichzeitig die Durations- und Kreditrisiken erhöht. Während sich der durchschnittliche Kuponzins in den europäischen Anleiheportfolien seit 2011 um zwei Drittel reduziert hat, ist die dazugehörige durchschnittliche Restlaufzeit der Portfolien um 50 Prozent gestiegen. Dies macht die Rentenanlagen in mehrerlei Hinsicht anfällig für Marktkorrekturen. Eine höhere Duration wirkt sich tendenziell stärker negativ aus, wenn die Zinsen im entsprechenden Laufzeitbereich ansteigen. Gleiches gilt für einen Anstieg der Risikoaufschläge (Credit Spreads) – insbesondere im niedrigen Qualitätsbereich. Und Kupons und Renditen nahe Null oder darunter bieten eben nahezu keinen Ertragspuffer mehr.

Die gute Nachricht aus unserer Sicht: Mit einem nachhaltigen Zinsanstieg oder gar einer Zinswende, wie sie bis vor gar nicht so langer Zeit noch von vielen Marktteilnehmern erwartet worden war, ist unseres Erachtens noch für sehr lange Zeit nicht zu rechnen. Aber von den aktuell sehr niedrigen Zins- und Risikoaufschlagsniveaus sind durchaus Korrekturen nach oben möglich.

Und das kann dann erheblich schmerzen. Steigt die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen beispielsweise von aktuell minus 0,30 Prozent jährlich um einen Prozentpunkt auf plus 0,70 Prozent jährlich, dann verliert ein Anleger im Marktwert dieser Anleihe gut zehn Prozent. Es dürfte wohl jeder mit der Aussage übereinstimmen, dass plus 0,70 Prozent sowohl nominal als vor allem auch real (also abzüglich der Inflation) immer noch ein sehr niedriger Zinsensatz ist. Auch ohne eine wirkliche Zinswende können einem Bond-Portfolio im aktuellen Marktumfeld folglich empfindliche Einschläge drohen.

Kaufen und Halten? Lieber nicht…

Gerade Anleger alter Schule, die ihr Wertpapier-Depot mit Anleihen stabilisieren möchten, müssen plötzlich selbst kleinste Kursschwankung am Markt fürchten. Schlicht, weil es für klassische Bondanleger, die früher einmal als „Kuponschneider“ bezeichnet wurden, keinen ausreichenden Ertragspuffer aus der vom Emittenten offerierten Verzinsung mehr gibt.

Das bedeutet nach unserer Analyse aber längst nicht, dass Anleiheinvestments im Jahr 2020 (und darüber hinaus) keinen Sinn mehr machen. Unter anderem auch deshalb, weil die Zentralbanken eben diesen fragilen Marktzustand erkannt haben und mit ihrer Geldpolitik wohl weiterhin versuchen werden, das Finanz- und Währungssystem möglichst stabil zu halten. Was auch immer es kosten möge („whatever it takes“). Die jüngsten Entscheidungen und Aussagen der EZB stützen zumindest diese Einschätzung – und sorgen gleichfalls für immer niedrigere Kursschwankungen, wie wir sie gerade am Markt beobachten können.

Vorteil für aktive Anleger

Das bedeutet aber auch, dass viele Anleger ihre bisherige Strategie bei Renten überdenken müssen. Dabei geht es um nichts weniger, als aus alten Denkmustern auszubrechen. Vermeintlich risikolose (positive) Zinsen gibt es nicht mehr. Die Verlängerung von Laufzeiten oder das Beimischen immer schlechterer Bonitäten bringt aktuell kaum noch Mehrwert, aber deutlich erhöhte Risiken. Anleger benötigen heutzutage ein hohes Maß an Flexibilität und Aktivität. Sie müssen sich von Benchmarks, den bekannten Vergleichs- und Referenzindizes, lösen und sämtliche Ertragspotentiale nutzen, die es am globalen Anleihemarkt noch gibt.

Der Anleihemarkt bietet immer noch Chancen, auch in einer Welt der Minuszinsen. Man muss nur genau hinschauen. Dabei muss man sich vom klassischen „Rendite-p.a.-Denken“ verabschieden und sich die zahlreichen Ertragsbausteine der Anlageklasse zunutze machen. Wenn sich etwa die Form der Zinsstrukturkurven verändern, oder die Bepreisung von Kreditrisiken am Markt Opportunitäten bieten. Die zahlreichen Wendungen am Markt dürften es – davon sind wir zumindest fest überzeigt – aktiven Investoren auch in Zukunft erlauben, Investments mit ordentlichen Risiko-Chance-Profilen zu finden. Dann können Kursschwankungen ein Freund der Anleger sein, denn nur durch Preisveränderungen können sich überhaupt Chancen ergeben, zumindest wenn die Qualität der Anlage gegeben ist.

Vor dem Hintergrund erscheint es sinnvoll, global zu investieren. Oftmals sind Zinsmärkte in anderen Regionen der Welt interessant(er), auch nach Absicherung von Währungsrisiken. Ob sich ein Investment lohnt, lässt sich nur nach einer genauen Analyse der Einzeltitel sagen. Gerade angesichts der aktuell zum Teil hohen Kosten für die Absicherung von Währungsschwankungen ist die besonders wichtig.

Wenn Sie uns schon länger kennen, dann wissen Sie, dass wir von Flossbach von Storch uns mit Jahresprognosen zurückhalten. Wir investieren langfristig, suchen nach absoluten Erträgen, Kalenderjahre spielen da kaum eine Rolle. Unsere Überzeugung bleibt aber: Wer weiterhin in Anleihen investieren möchte (oder muss), der kann damit nach wie vor Geld verdienen. Die Zeiten des als „Fixed Income“ bezeichneten Anleihemarktes sind unseres Erachtens allerdings vorbei. Wir leben nun in der Welt des „Active Income“, in der sich nur mit einem global ausgerichteten, wirklich aktiven und flexiblen Management Ertragschancen heben und Risiken minimieren lassen.

 

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